Bodo Wartke – Nicht in meinem Namen (Studio)

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=1hBVqgxA_Cg

“Wenn ich ein Gott wär …”, so beginnt Bodo Wartke sein Lied, in dem er sich gegen radikale, menschenverachtende Auslegungen jedweder Religion wendet.

LIEDTEXT

Nicht in meinem Namen

Wenn ich ein Gott wär von irgendeiner tradition-
sreichen populären Weltreligion,
– von welcher Religion, ist dabei völlig egal –
dann hätt‘ ich was zu sagen, das geht euch alle an, denn
ihr habt da etwas Wesentliches mißverstanden
und das bereits zum wiederholten Mal.

All der Hass und all das Leid,
für das ihr weltweit verantwortlich seid,
Flucht und Vertreibung und all die menschlichen Dramen,
Unterdrückung, Krieg, Völkermord,
wovon ihr behauptet, es wär‘ Gottes Wort,
all das geschieht nicht in meinem Namen!

Wenn ihr ein Land besiedelt, das euch nicht gehört,
die Bevölkerung vertreibt und ihre Dörfer zerstört,
und alle Friedensbemühungen immer wieder erlahmen,
weil ihr nicht miteinander sondern allein dort leben wollt,
weil ihr glaubt, ihr wärt das auserwählte Volk,
dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr tausend Jahre alte Kulturen vernichtet
und auf den Trümmern eure protzigen Paläste errichtet
und behauptet, ihr machtet euch stark für die Schwachen und Armen,
wenn von selbsternannten Dienern Gottes auf Erden
Kinder mißbraucht und mißhandelt werden,
dann geschieht das ganz gewiß nicht in meinem Namen!

Wenn ihr bigott, rigide und weltentrückt
eure Frauen verachtet und unterdrückt
aufgrund eurer „Werte“, eurer ach so tugendsamen,
nach denen man als Frau nicht widersprechen darf
sondern eingesperrt wird und versklavt,
dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Und wenn eure Tochter z.B. das dann nicht mehr still
ertragen sondern selbstbestimmt leben will
statt die mütterliche Knechtschaft nachzuahmen,
und sie von euch dann erniedrigt, geschlagen, entführt,
verstoßen oder sogar ermordet wird,
dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr Homosexuelle zusammenschlagt,
sie beschimpft und durch die Straßen jagt,
weil sie wagten einander öffentlich zu umarmen,
wenn ihr Frauen wie Freiwild behandelt, das man
nach Belieben begrapschen und vergewaltigen kann,
dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr Andersgläubige massakriert
und Regimekritiker exekutiert
ohne jegliches Mitleid und ohne Erbarmen,
wenn ihr euch daran ergötzt und weidet,
wie ihr öffentlich Menschen die Köpfe abschneidet,
handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Und wenn ihr wieder mal hemmungslos Blut vergießt,
indem ihr wahllos unschuldige Menschen erschießt,
die vor euch nicht rechtzeitig entkamen,
und wenn ihr euch, mit Sprengstoff behängt,
inmitten einer Menschenmenge in die Luft sprengt,
handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Ihr seid weder Märtyrer noch ehrbare Rächer,
ihr seid einfach nur gottlose Schwerverbrecher,
und glaubt mir, ihr gehört zu den ganz infamen!
Wenn ihr zerstört, was ich erschuf,
dann will ich nicht, dass ihr euch auf mich beruft.
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!

Im Gegenteil,
ihr verwandelt diesen Planeten in einen finst‘ren unduldsamen
und verschandelt das Ansehen all derer, die in Frieden kamen.
Es wird Zeit, dass euch einer standhält, eurem Wahn, diesem grausamen.
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!
Shalom, Inschallah, Amen.

Die Noten zum Lied gibt es exklusiv in Bodos Online-Shop: www.bodowartke.de/shop

Musik, Text und Gesang: Bodo Wartke
Regie, Schnitt, Grading: Sven Schütze
Kamera: Frank Schwaiger
Tonaufnahme und Mischung: Alex Hoetzinger
aufgenommen im rhythmus-Tonstudio, Berlin, Juli 2016
© Copyright 2016 Reimkultur GmbH & Co. KG, Hamburg / Alle Rechte vorbehalten!
Kontakt: presse@reimkultur.de
www.bodowartke.de

 

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Arbeit mit Jugendlichen, Erwachsenenbildung, Konfirmandenarbeit, Berufsschule, Oberstufe, Sekundarstufe

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Eine Antwort auf „Bodo Wartke – Nicht in meinem Namen (Studio)“

  1. Ein geiles Lied, sehr passend zum 2. Gebot.
    Bodo Wartke ist halt Künstler und kein Historiker, Soziologe oder Theologe. Zum Beispiel weiß er offenbar nicht, was “auserwähltes Volk” für die meisten Christen und Juden bedeutet (nämlich keinesfalls die Geringschätzung anderer). Das Lied erweckt am Anfang den Eindruck, als würden alle, die Gottes Namen im Munde führen, ihn derartig missbrauchen. Nicht alle Katholiken missbrauchen Kinder, nicht alle Muslime unterdrücken Frauen, nicht alle religiösen Menschen verwandeln den Planeten in einen düsteren Ort. Sehr im Gegenteil – da fehlt mir bei ihm die Reflexion, aus welchen Quellen sich denn sein friedliebendes Gottesbild speist. Das hat ja auch religiöse, so weit ich weiß christliche Wurzeln bei ihm.
    Ein Moment dieser Reflexion, dass die Kritik an den verwerflichen Handlungen von Religionsvertretern immer am wirkungsvollsten aus der Religion selbst kommt, findet sich am Ende im Friedens- und Gottesgruß wieder. Es ist genau die richtige Pointe für dieses Lied, dass so leicht hätte abgleiten können in platte Religionsverurteilung (Glaube = Gewalt). So ist es echte Religionskritik (der Glaube kritisiert den Menschen).
    Im Unterricht werde ich klarstellen, dass viele Vertreter der Religionen, auf die er anspielt, dieses Lied mitsingen können – gegen diejenigen, die Gottes Namen missbrauchen. Dazu werde ich auf den Schluss des Liedes verweisen. Danke, Bodo!

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